25. August 2010

Wie man über seinen eigenen Schatten springt

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„Die erste Idee ist doch immer die beste.“ Schon mal gehört den Satz? Ich kann mich an den einen oder anderen Moment in einer Probe erinnern, in der der Regisseur mit diesem Satz zurückgekehrt ist zur allerersten Version einer Szene, weil alle Verbesserungsversuche nichts besser gemacht hatten. Im Gespräch mit einem Freund fiel neulich ein ähnlicher Satz: „Ich hab gelernt, meinem ersten Instinkt zu vertrauen.“ Seit dem blubbert dieser Satz und meine Skepsis ihm gegenüber immer wieder nach oben.

Denn: Gelegentlich mißtraue ich meinen ersten Ideen, den schnellen Lösungen. Gelegentlich vertraue ich ihnen blind. Und manchmal komm ich erst nach mehrmaligem Sehen und mit Abstand dahinter, einem Klischee aufgesessen zu sein.

Also wie ist das nun mit Instinkt, ersten Ideen und deren Güte?

Was ist das Erste, was einem einfällt?

Das Naheliegendste, das Klischee oder das Eigene, so vielleicht noch nicht Gesagte?

Kann man beeinflussen, woher diese erste unmittelbare Reaktion kommt – aus dem Vorrat an Lösungen, den man willentlich oder nicht mit sich rumträgt oder aus einer anderen privateren, organischeren Ecke?

Muß einen diese Frage überhaupt umtreiben?

Kommt auf das Ziel an, auf das man hinarbeitet, oder?

Mein Ziel ist es, möglichst präzise zu artikulieren, was die Figuren, in der Welt, die wir erschaffen, umtreibt. Und das nicht in einer Form, die so präsent wie abgenutzt ist wie der Strand im Sonnenuntergang in Reklame für Flitterwochen. Sondern in einer Form, die das Eigenartige der Figuren spürbar werden läßt.

Das heißt nicht in jedem Fall die Vermeidung von Klischees und Stereotypen. Wenn deren Verwendung, ein Denken in diesen Teil der Figur in diesem Moment ist, müssen sie natürlich rein. Aber es heißt, daß ich jeden Moment, den ich auf die Bühne bringe, durchdacht und durchleuchtet haben will. - Im Idealfall. Meist geht irgendwann die Zeit aus und dann ist man ganz schnell bei den praktikablen Lösungen, die man gebunkert hat.


Worauf, auf welche Ebene von Wissen bzw. Fühlen greift das zu, was mein Freund mit „erstem Instinkt“ bezeichnete und was für andere die „erste Idee“ ist? Und ist das zwangsläufig eine Ebene, die ausdrucksstärker, authentischer ist als die der fertigen Lösungen und Stereotype? Und: Wie erleichtert man sich den Zugriff darauf?

Eine mögliche Strategie ist blitzschnell zu reagieren, um am eigenen Zensor, an den sozialen Vereinbarungen, in die wir uns zu meist fassen, vorbei zu kommen, in der Hoffnung dahinter etwas zu finden, das eigener, ehrlicher und authentischer ist. Das es diese Ebene überhaupt gibt, ist und wird bestritten. Ich bleibe zunächst dabei, daß es sie gibt. „To lean into the moment“ nennt Anne Bogart das in A Director prepares. Die Handlung, die Entscheidung, zu der man noch gar nicht befugt zu sein scheint. Für die man über Wissen und Sicherheit hinausgreifen muß und unmittelbar auf das reagiert, was gerade geschieht.

Die andere Strategie ist die des Umwege Gehens und Ausprobierens. Eine Strategie, die versucht sich selbst zu mißtrauen, eine kritische Distanz aufzubauen, um das entstehende Material immer wieder zu sichten und letztlich zu einer Entscheidung zu kommen: es in der Form, in der es zuerst entstand, zu verwenden oder aber in einer anderen Weise auszudrücken. Wobei für diesen Prozeß des Ausprobierens entscheidend sein dürfte, mit welcher Vorbereitung, Sorgfalt, Spezifität und Energie er stattfindet.

Letztlich versucht man auf beiden Wegen, über den eigenen Schatten zu springen und sich selbst von hinten beim Denken zuzusehen mit dem Ziel, sich seinen kulturellen Konditionierungen zu entziehen und zu einem eigentlicheren Ausdruck seiner Selbst zu kommen. Kann das funktionieren?




17. August 2010

10 Dinge, an einem Regentag zu tun

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1. Peter Brooks Mahabharata in ganzer Länge in einem Rutsch gucken

2. das Konzept fertig schreiben ( Ja! Genau das!)

3. das Fachbuch lesen, das schon Staub angesetzt hat

4. sich sein Probentagebuch selber binden

5. den Schreibtisch aufräumen

6. in der Wanne liegen bleiben bis man schrumpelig ist

7. den blog aktualisiseren

8. Tinte aufziehen, Briefpapier bereitlegen und einen ganz altmodischen Brief schreiben

9. endlich mal wieder Photos einkleben

10. die Tür zu einer anderen Welt öffnen und ein neues Stück beginnen

10. Juli 2010

Text-Recycling, Teil 1

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Bei so viel Hitze kann ja kein Mensch mehr eigenständig denken, TExte gehen nur noch im Recyclingverfahren. Wer die Quelle findet, bekommt eine Freikarte zur nächsten SPIE_RÄUME Vorstellung!

Im Pott?

unnatürliche Schönheit
hart, laut, schmutzig, rastlos
mitunter brutal
doch: im erlöschenden Licht fängt die City an zu glühen

ein urbaner Alptraum:
menschenleer
als habe eine Neutronenbombe eingeschlagen
doch: im erlöschenden Licht fängt die City an zu glühen

Bartholomäus wechselt alle paar Meter
sein Gesicht, seinen Charakter
Vergangenheit zieht im Zeitraffer vorbei,
nichts ist hier für ewig

der Geist verspricht schnelles Geld und schnelles Glück
geradezu obszön
doch im erlöschenden Licht fängt die City an zu glühen

Fahren Sie nicht hin, wenn Ihnen Ihr Leben lieb ist!

 

16. Juni 2010

Zeitmaschine - anyone?

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Meine Tage bestehen nur noch aus ganz existenziellen Dingen: füttern, wickeln, schlafen, ein bißchen spielen – ab und zu auch selbst was essen. Dazwischen kaum Zeit fürs Allernötigste wie Wäsche waschen. Und noch weniger Zeit für den Beruf, die Berufung, die Kunst.

"Ich brauche eine Zeitmaschine zusätzliche Schlaf-, Arbeits- & Freizeitstunden sind einfach notwendig. Die Tage sind zu kurz."

Das ist ein Satz aus ZEITSONDERZONE TRANSIT und gerade erfahre ich das Sich-Zerreißen zwischen verschiedenen Rollen, Aufgaben und Anforderungen ganz besonders. Wie viele dieser an uns zerrenden Kräfte machen wir uns selber? Weil wir nicht nur dem einen nachkommen wollen, sondern nach Möglichkeit allem? Meinen, nichts auslassen zu können, weil sonst der sprichwörtliche Zug ohne uns abfährt und wir auf irgendeinem Nebengleis abgehängt stehen bleiben?

Schon merkwürdig, wie man in der Arbeit manchmal Dinge voraus nimmt, die man bewußt erst später erlebt.

Wer die kollektiven Überlegungen des SPIEL_RÄUME Ensembles zum Thema Mobilität erleben möchte, hat vor der Sommerpause noch eine Chance: 18.06.2010, 20 Uhr. Werkhof Hagen.

30. Mai 2010

Zeit-los? Un-be-weg-lich? Nicht mit uns!

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Okay, also zwei Chancen geben wir Euch vor der Sommerpause noch!

Am 6. und am 18.06. zeigen wir ZEITSONDERZONE TRANSIT! Erst in Dortmund, dann in Hagen. Und wer nicht kommt, hat echt was versäumt!

Vier Menschen gefangen in der Zeit zwischen Abfahren und Ankommen, hängen geblieben im Dazwischen, in einer Zone, in der sich Zeit unendlich zu dehnen scheint. Ständig in Bewegung und nie am Ziel läuft der Kopf leer und die Zeit wirft Blasen.

ZEITSONDERZONE TRANSIT heißt die neueste Stückentwicklung der Theatermanufaktur SPIEL_RÄUME und sie beschäftigt sich mit den täglichen Nöten der Pendler.

In nur sieben Wochen Probenzeit hat das Ensemble um Regisseurin Alexandra Gerull das neue Stück geschaffen. Aus eigenen Pendlererfahrungen, Photos von unterwegs, Bewegungsabläufen und vielen Improvisationen ist ein präzise gearbeiteter Theaterabend entstandenen, der mit mehr als einem Augenzwinkern erzählt, was sich in den Köpfen pendelnder Menschen abspielt. Die äußere Wirklichkeit wird konfrontiert mit dem innerem Erleben. Mitreisen werden zu Monstern, Spiegelbilder entwickeln ein Eigenleben. Julia Jochmann, Charis Nass, Gregor Lowinski und Stefan Naszay fragen sich, wie viel Zeit man mit einer Fünf-Minuten-Terrine gewinnen kann und wie viel Minuten sie ein coffee-to-go kostet. Céline Leuchters Bühnenbild kreuzt Straße, Schiene und Haltestelle zu einem Ort, dem man nur schwer entrinnen kann: der ZEITSONDERZONE TRANSIT. Da gehen die Figuren schon mal die Wände hoch.

 

Wer mit auf die Reise gehen möchte:

06.06.2010, 19 Uhr: Theater im Depot, Dortmund

Karten sind erhältlich unter 02 31 / 982 23 36.

18.06.2010, 20 Uhr: Werkhof Hagen  

Karten sind erhältlich unter 0 23 34 / 92 91 90

6. Mai 2010

Be-weg-ung oder 10 Fragen zum Verkehr

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Wohin sind Sie unterwegs?

Wie lange sind Sie schon unterwegs?

Sind Sie sich sicher, daß diese Straße ans Ziel führt?

Wie viel Zeit kostet Sie ein coffee-to-go?

Was sagen Ihnen die Wände, die Sie täglich passieren?

Ist dies die richtige Tür?

Wann haben Sie das letzte Mal auf einer Wiese gelegen und dem Gras beim Wachsen zugesehen?

Welcher Film läuft in Ihrem Kopf ab?

Wie stehen Sie zu Äpfeln?

Wie viel Zeit verbringen Sie täglich in der ZEITSONDERZONE TRANSIT?

 

ZEITSONDERZONE TRANSIT, wieder zu sehen am:

06.06.2010, 19 Uhr

Theater im Depot, Dortmund

18.06.2010, 20 Uhr

Werkhof, Hagen

19. April 2010

Gegen Elefanten antreten

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If a poet is anybody, he is somebody to whom things 'made' matter very little. Somebody who is obsessed with the Making. Like all obsessions, the Making has advantages: for instance, my only interest in making money would be to make it. Fortunately, however, I would prefer to make almost anything else, including locomotives and roses. It is with locomotives, not to mention acrobats, spring electricity, Coney Island, the 4th of July, the eyes of mice and Niagara Falls that my poems are competing. They are also competing with each other, with elephants and El Greco.

e. e. cummings

8. April 2010

Von Herzen

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Ich habe das Gefühl, ich bin noch gar nicht richtig aus dem Winterschlaf erwacht. Draußen scheint hin und wieder die Sonne, Blüten und Farben zeigen sich, es liegt dieser süße verheißungsvolle Frühlingsduft in der Luft und ich bin immer noch auf stand-by. Die to-do-Liste wird täglich länger, mein schlechtes Gewissen ob der unerledigten Posten täglich drängender – aber Bewegung findet nur in Zeitlupe statt.

Ein bißchen wie das sprichwörtliche Kaninchen vor der Schlange starre ich auf den mit B'Day markierten Termin im Kalender und kann mich mit Blick auf die große Veränderung, die da kommen wird, gerade nicht entscheiden, was ich (noch) tun soll. Und ob überhaupt …

Statt also zu handeln, lese ich mal wieder. Und habe Mühe einen Anfang für den heutigen post zu finden.

Das Leben beginnt mit dem Herzen.

Klingt kitschig, oder? Aber das Erste, was man auf einem Ultraschall als Laie wirklich erkennt, ist das Schlagen des Herzens, was als Tanz der Pixel rüberkommt. Mittlerweile bekomme ich dieses schlagende Herz immer häufiger zu hören. Es zeichnet auch Schlangenlinien auf grün-kariertes Papier. Manchmal scheint es zu stolpern, die Aufzeichnung und setzt für einen Moment aus und Mamas Atem auch. Dann hüpft die Linie munter weiter und ich atme erleichtert aus.

Das Leben beginnt mit dem Herzen. Und wo beginnt die Kunst? Unsere Kunst? Meine? Was ist der Impuls, woher kommt die Kraft und Entscheidung zusagen: und das mache ich jetzt? Darum geht’s diesmal. Und ich mache es auf diese Art und Weise. Was bringt das Herz einer neuen Arbeit zum Schlagen und was hält es dabei?

Woher kommt unser Feuer, unsere Leidenschaft, unsere Bereitschaft, diesen ganzen Wahnsinn der Arbeit als Freischaffende (manchmal denke ich vogelfrei trifft es besser) Künstler auf uns zu nehmen?

Ich schätze, die Antworten auf diese Fragen werden sehr individuell ausfallen. Mich treibt gerade die Befürchtung um, das kleine Herzchen meines noch ungeborenen Kindes könnte mir mein Feuer rauben. Wäre gut zu wissen, wo man Prometheus abpassen kann …

1. April 2010

Alles eine Frage des Stils?

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Ich bleibe bei YouTube an einer Auswahl von Stück-Trailern des polnischen Regisseurs Janusz Wisniewski hängen. Bei ihm habe ich während des Studiums zwei sehr lehrreiche Hospitanzen gemacht. Mein Mann kommt ins Zimmer, wirft einen Blick auf das, was ich gucke und sagt: „Wisniewski. Sieht irgendwie alles gleich aus.“ Und er hat nicht Unrecht, ich hatte mich auch gerade begonnen zu fragen, ob ich das nun spannend finde, wenn jemand seine Handschrift so deutlich zu artikulieren weiß oder ob es mich eher stört.

Handschrift - Stil – was versuchen wir damit zu beschreiben? Eine sehr spezifische Form etwas auszudrücken. Ich frage mich, ob man alle Inhalte in einer bestimmten Form, mit einer Bildersprache erzählen kann. Ob der Inhalt eine Form verlangen kann bzw. was die Form mit dem Inhalt macht.

Braucht man, um als Theatermacher erfolgreich zu sein, eine eigene unverkennbare Handschrift? Und ist sie es wert der leichteren Erkennbarkeit (und Konsumierbarkeit) wegen über die inhaltliche Aussage der Arbeit gestellt zu werden?

Kann man überhaupt keine Handschrift haben? In dem wir unseren Namen schreiben offenbart sich doch schon ein Unterschied. Kann man also künstlerisch arbeiten ohne dabei eine Handschrift, einen Stil zu offenbaren? Wenn sich darin doch zum Teil unsere Persönlichkeit ausdrückt?

Ich habe, wie man liest, ein zwiespältiges Verhältnis zum Thema Stil. Einerseits Angst, keine erkennbare eigene künstlerische Ausdrucksform zu haben. Andererseits finde ich die Idee, anhand einiger klarer Merkmale immer wiedererkannt zu werden, genauso beängstigend. Konkreter: es sind gerade die visuellen Marker, die ich nicht gesetzt wissen will. Ich will nicht, daß meine Arbeiten auf den ersten Blick alle wie „Gerull“ aussehen. Wenn sie sich dann so anfühlen, wenn es in der Qualität des Erlebens ein Wiedererkennen gibt, dann ist gut.

Sprich: als meinen Stil hätte ich gerne eine Erlebnisqualität und nicht so sehr eine visuelle Wiedererkennbarkeit. Ich möchte nicht immer wieder auf die gleichen Mittel zurückgreifen, um unterschiedliche Geschichten zu erzählen. Um verschiedenen Fragen zu stellen.

Was macht Wisniewskis Stil aus? Ein besonders durchgearbeitetes visuell emotionales Zusammenspiel von Bühne, Bewegung, Musik und „Spiel“. Letzteres ist selten realistisch. Er hat – ganz unabhängig von der zu erzählenden Geschichte – eine Schar von Gestalten, die seine Phantasie bevölkern und die immer wieder kommen: der Conferencier, der weiße General, die Figur mit der Tür auf dem Rücken. Er hat ein Arsenal szenischer Zeichen, das für ähnliche Situationen bzw. Figuren immer wieder benutzt wird: Soldaten marschieren stets in einem extrem abgehackten Stechschritt – ob sie das nun im Dybbuk tun oder in Richard III. Altmodische Pappkoffer beschreiben Heimatlosigkeit, Reise, Suche, manchmal auch Geheimnis.

Stil hat immer mit Auswahl zu tun: welche Mittel ich auswähle, eine Geschichte zu erzählen und wie ich diese verwende. Welche Form ich auswähle. Stil steckt aber auch in der Entscheidung, eine bestimmte Geschichte überhaupt zu erzählen.

Woher aber stammen die Kriterien für sie Auswahl? Aus den impliziten oder expliziten Annahmen, die wir über unsere Kunst mit uns herumtragen. Aus der eigenen Weltanschauung, die über unsere Kunst hinausgeht und die uns zur Welt und ihr verortet. Die Auswahl speist sich aus unserem Kenntnisstand, aus dem kulturellen Gefüge, in dem wir stehen, aus den Bedingungen der künstlerischen Arbeit. Die Auswahl und die Entscheidungen für einen Stoff resultieren aus persönlichen Vorlieben, aus der Persönlichkeitsstruktur.

Stil setzt sich also zusammen aus einer kulturellen Komponente, einer persönlichen Komponente und einer handwerklichen Komponente. Stil ist vielleicht eine Absicht. Technik ist die konkrete Fähigkeit, diese Absicht zu realisieren. Und Form ist der Rahmen, der beides zusammenhält. Und den Inhalt noch dazu.

Die Form strukturiert die Erfahrung, die der Zuschauer macht. Die Form beeinflußt mithin die Wahrnehmung des Kunstwerkes von außen, aber sie beeinflußt auch den Modus seiner Erarbeitung. Wenn ich eine sehr körperliche, visuelle Erfahrung für den Zuschauer bauen möchte, werde ich nicht ewig Tischarbeit machen und möglichst viel Zeit auf den Proben mit rein verbalen Diskussionen verbringen. Ich werde so viel mit dem Körper ausprobieren, wie es nur geht. Ja, ich werde dem Körper die primäre Bedeutungsgenerierung zusprechen und Sprache in den Hintergrund treten lassen.

Wenn die Form aber die Wahrnehmung strukturiert und damit die anzuwendenden Techniken beeinflußt, was macht die Form dann mit dem Inhalt? Verhält sie sich ihm gegenüber neutral? Wohl nicht.

Wenn ich also immer wieder mit dem gleichen Stil arbeite, mache ich dann nicht alle Geschichten gleich?

Andersrum gilt das vermutlich genauso: ich kann auf Grund einer persönlichen Disposition eine Neigung zu den immer gleichen Stoffen haben. Und auch wenn ich die dann immer in anderes Form erzähle, erzähle ich dann nicht die gleiche Geschichte?

19. März 2010

Ein gefährliches Buch

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Laß niemals ein Buch einfach so herum liegen“, hatte sein Vater immer zu ihm gesagt.

Und als Jeremias ihn einmal fragte, „warum denn nicht?“, hatte er geantwortet: „Dazu sind sie zu gefährlich.“

Aber wie konnte ein Buch gefährlich sein?

„In dem Du ein Buch öffnest, öffnest Du ihm Deine Seele, ein Fenster in Deinem Kopf. Und Du weißt nicht immer, ob Du den Gestalten trauen kannst, die von den Seiten in Deine Phantasie wandern. Manche wird man niemals wieder los.“

 

Das Buch der Kreaturen - eine Stückentwicklung der Theatermanufaktur SPIEL_RÄUME

 

 

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