19. September 2011

Anderswo ist auch schön

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Lange Pause auf diesem meinem Theaterblog. Dabei hab ich ziemlich viel geschrieben und getan in den letzten Wochen, nur eben nichts theaterrelevantes. Wer meinen Gedanken über kreatives Tun und Leben und die großen und kleinen Freuden und Herausforderungen der Freiberuflerin als Mama weiter folgen mag, ist herzlich eingeladen hier vorbei zu schauen: http://www.mamamachtsachen.de.

Verwaisen wird dieser Ort hier nicht. So ganz aufgegeben ist das Theater und die Kunst noch lange nicht.

 

4. August 2011

Veeeränderung - Meldungen von mittendrin

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Da sitze ich nun also, mitten drin. Und – ja, Leute, es ist hier irgendwie verdammt ungemütlich. Altbekannte Gewißheiten haben sich irgendwie verflüchtigt. Der Kompaß schlägt alle Tage in andere Richtungen aus. Und ein Ende ist nicht abzusehen.

 

Was los ist?


Ich befürchte: das Ende einer großen Liebe. - Bitte alle lesenden Familienmitglieder ausatmen. Ich meine nicht meine Ehe. - Nein, das liebe Theater und ich. Ich befürchte, wir gehen auseinander. So jedenfalls geht’s nicht weiter. Nicht mit mir. Nicht in dieser Form. Damit keine Zweifel aufkommen: Ich liebe diesen Prozess des Stückemachens nach wie vor. Wenn mir jetzt jemand eine Tür aufmachte und sagte: Da ist ein Raum und das ist der Schlüssel zur Kasse … würde ich vermutlich übermorgen nicht in den Urlaub fahren.

Ideen für neue Stücke sind reichlich da. Eigentlich gibt es sogar zwei Spielpläne. Aber wann immer ich auf meinem Terminkalender stehen habe: Vorbereitung neue Theaterprojekte und es um den ganzen Sermon außenrum geht, geht bei mir gar nichts mehr. Der Kern zieht mich nicht mehr derart heißglühend an, daß ich den Aufwand und die miserable finanzielle Situation des freien Theatermachens noch auf mich nehmen mag.

Was der Auslöser war? Vielleicht eine schlecht verkaufte Vorstellung zu viel. In jedem Fall mein Sohn. Nicht, daß der gesagt hätte, Mama mach kein Theater. Aber er ist da und will betreut werden und ich will Zeit mit ihm verbringen und daraus entsteht ein Zeit Geld Aufwand Gemengelage, die Theatermachen plötzlich sehr unattraktiv aussehen läßt.


Muß ich Schluß machen? Will ich Schluß machen? Bin ich nur vergrätzt? Was denn dann sonst?


Der Gegenentwurf beginnt sich mittlerweile zu formieren. Was ein bißchen zurückhaltend formuliert ist. Da sprudeln die Ideen, während sie eher tröpfeln, wenn ich mich der Frage zu stellen versuche, wie ich denn meine aus meinen Theaterproduktionen profitable Einkünfte erwirtschaften könnte.

Nu bin ich im Moment nicht wirklich Herrin meiner Zeit. Was heißt: Vieles wird erdacht und wenig realisiert. Noch. Abgesehen davon, daß ich auch das als sehr ungemütlichen und unbefriedigenden Zustand empfinde, hat es aber den Vorteil, daß sich das Feld der Möglichkeiten nicht vorschnell verringert. Eben weil ich gerade nicht viel Künstlerisches, Kreatives oder auch nur schlicht Organisatorisches auf die Reihe kriege, haben die Gedanken Zeit tiefer zu wandern. Angenehm und leicht ist das nicht, aber ich habe das Gefühl, als grübe ich da in die richtige Richtung.

Was also gibt es aus dem Mittendrin zu vermelden?

So nervend das Nichtwissen und die Orientierungslosigkeit sind, so sinnvoll ist es, diesen Zustand eine Weile auszuhalten und wirklich ernsthaft auf all die Gedanken, Wünsche und Ideen zu hören, die schüchtern anklopfen. Das verhindert Schnellschüsse, das verhindert, nicht wirklich zu den Ursachen vorzudringen. Das eröffnet die Möglichkeit, sich tatsächlich grundlegend neu auszurichten, die eigenen Wertigkeiten neu zu entdecken und sich bewußt zu entscheiden.

Wie ich schon sagte: bequem ist was anderes. Aber hoffentlich erleuchtend.

Konsequenzen? Dem Teufel in die Augen schauen – was und wer auch immer er ist (das ich vielleicht keine Lust mehr auf Theater habe, schien mir lange Zeit nicht zugebbar zusein, weil ich mich viel zu sehr darüber definierte). Erschreckend, aber der Mühe o so wert. Sich selbst wirklich zuhören und die Wertung vorerst mal aussetzen. Akzeptieren, daß Veränderung ein Prozess ist und einer der Zeit braucht (für Leute mit meiner Geduldsspanne ein harte Nuss). Nicht gleich Riesen-Aktionen von sich erwarten, sondern kleine und kleinste Schritte in die intendierte Richtung machen. Auch die unerhörtesten, unwahrscheinlichsten Entwicklungen fangen genau damit an. Was Neues lernen! Eine neue Sprache, eine neue Fertigkeit. Irgendwas, was man schon immer können wollte. Klingt vielleicht verrückt sich inmitten der Unruhe noch eine weitere Baustelle zu eröffnen, hat aber den Sinn sich selbst zu zeigen, daß man durchaus die Kraft und das Können hat, gewollte Veränderungen herbeizuführen. Schritt für Schritt.

28. Juni 2011

Tipps und Tricks, zweiter Teil - Listen

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  1. engl.: lauschen, horchen, hinhören

  2. Pl. von Liste: vertikale Anordnung verschiedener Elemente in schriftl. Form

Die Liste der Listen, die ich im Verlaufe einer Produktion schreibe, ist lang bis endlos. Da gibt es die Monster-Master-to-do-list, die Telefonliste, die Sznenfolge (irgendwann viel zu kurz vor der Premiere), der alltägliche Arbeitsplan für die Probe und deren tägliche Auswertung unter „Was halten?“.

Lang lang vorher in der frühen Konzeptionsphase, wenn Vieles noch flüchtig und verschwommen ist, gibt es drei Listen, die mir entscheidend bei der inhaltlichen Entwicklung helfen.

Das wesentliche Charakteristikum dieser drei Listen? Sie haben unglaublich viel mit genauem Hinhören zu tun. Ich lausche dem Ideengewaber in meinem Kopf und versuche festzuhalten, was einen Ideenfunkenflug auslöst und / oder mein Herz schneller schlagen läßt.

Das inhaltliche Rückrat jeder meiner Stückentwicklungen ist die Liste der Fragen. Was will ich vom Gegenstand meiner Arbeit wissen? Was am Thema regt mich an – oder auf? Was will ich über die Figuren wissen? Den Ort? Die Situation? Wie fühlt sich diese Welt an? Wie schmeckt sie? Was ist in ihr möglich und erlaubt?

Wann immer eine neue Frage auftaucht, kommt sie auf die Liste – ganz egal wie „groß“ oder „klein“ sie ist. Gerade die scheinbar kleinen und nichtigen Fragen entpuppen sich oft als spielgestaltend. Sinn und Zweck dieser Liste ist NICHT, alle Antworten dazu zu finden. Diese Liste dient dazu, die Schwerpunkte des inhaltlichen Interesses herauszukristallisieren. Manche Fragen erledigen sich selbst, andere tauchen hartnäckig in immer neuen Formen und Formulierungen auf. Das inhaltliche Gerüst beginnt sich zu zeigen. Das Bedeutungsfeld der Inszenierung spannt sich auf.

Die Liste liegt ganz vorne im Ordner. Oft ist sie das Erste, was jemand, der sich für einen Mitarbeit interessiert, zu sehen bekommt. Und jeder Kollaborateur, der zu mir stößt, verursacht mit seiner Sicht der Dinge einen neuen Fragenschwarm. Die Liste ist nie fix, immer in Bewegung, aber ab einem bestimmten Punkt stabilisieren sich ihre Inhalte.

Bin ich schließlich an dem Punkt, an dem es gilt, aus dem reichen szenischen Material der Proben das endgültige Stück zu bauen, dient die Liste der Fragen als Orientierung: haben wir uns in hinreichender Weise abgearbeitet an unseren Kernfragen? Haben wir Wichtiges ausgelassen? Und wenn ja, mit welcher Konsequenz fürs Stück?

Die anderen zwei Listen gehören zusammen. Sie entstehen etwas später, dann nämlich, wenn ich gezwungen bin, alle Ideen, Gedanken und Umstände zu bündeln um endlich ein handlungsfähiges Konzept zu erstellen (und Konzept meint hier beides: Inhalt und Organisation einer Inszenierung).

Die eine Liste heißt Was ich noch nicht weiß und beinhaltet neben den wichtigsten inhaltlichen Fragen auch alle Fragezeichen, die die Realisation betreffen: Wie verbinde ich meine verschiedenen Erzählebenen? (Und wenn ich mich entscheide, das über verschiedene technische Mittel zu lösen): Wer schneidet mir den Ton? Woher bekomme ich das benötigte Material? Wo nehme ich das auf? Wer fährt die Vorstellung?

Die andere Liste heißt (kaum verwunderlich) Was ich schon weiß und enthält alle Gewißheiten. Auch auf ihr mischt sich bunt Inhaltliches, Gestalterisches und Organisatorisches: „Der Abend muß sich anfühlen wie ein Song von Nick Cave. Wir brauchen eine Schräge. Und Tamagotchi-Blau.“

Anders als bei der Liste der Frage ist hier das Ziel, möglichst alle Unbekannten auf die Liste der Gewißheiten verschieben zu können und daraus Aufgaben und Handlungen abzuleiten,die die Verknüpfungen zwischen gestalterischer Entscheidung und produktionstechnischer Folge im Blick behalten.

15. Juni 2011

Am Tag danach

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„And death shall have no dominion.“ Dylan Thomas

An diese Textzeile klammere ich mich, wenn es den Tod eines Menschen zu verarbeiten gilt, der mir etwas bedeutet. Wobei verarbeiten das völlig falsche Wort ist. Da gibt’s nichts zu verarbeiten. Verarbeiten würde bedeuten, es fände sich irgendwann ein Ende für das Gefühl von Verlust (und manchmal Wut). Dem ist nicht so. Ich erreiche lediglich den Zustand eines sich-damit-abgefunden-habens.

And death shall have no dominion. Dem Tod soll kein Reich mehr bleiben. Versprechen auf einen Moment, der die Endgültigkeit des Todes bricht.

Ich glaube nicht wirklich an die christliche Vorstellung eines Lebens nach dem Tod. Jedenfalls nicht anders als in einer sehr kindlichen Vorstellung, mein Vater und meine Großväter säßen in einem ewigen Sommer unter einem großen schattigen Baum und spielten Skat. Und trotzdem kann ich gar nicht schnell genug Taschentücher auspacken in der Osternacht. Spätestens an der Stelle „der Stein ist weg, das Grab ist leer“ laufen die Tränen unkontrollierbar.

Dem Tod soll kein Reich mehr bleiben!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Was mir an Dylan Thomas' Gedicht so gefällt ist der Trotz. Nicht auf das göttliche Versprechen (wenn es das denn ist) eines herrlichen Jenseits zu vertrauen, sondern trotzig das jetzige Leben als einzig erfolgreiches Mittel gegen den Tod zu behaupten. Besiegen kann man ihn nur im Hier. In dem man jeden Augenblick zählen läßt. In dem man das wirkliche Leben nicht eine Sekunde aufschiebt.

Und in dem man gerade die nicht scheut, die bald nicht mehr da sein werden. Wenn sie uns genommen sind, bleibt uns nichts als unsere Erinnerungen und die Erfahrungen, die wir geteilt haben. Warum also nicht so viele davon machen wie möglich?

Ich weiß, ich weiß. Ich hab mich auch grad wieder versteckt. Wieder nicht gewußt, was ich aus der Nichtigkeit meines alltäglichen Daseins hätte an Trost bieten können. Vielleicht nichts mehr als Anwesenheit und Zeugenschaft. Und vermutlich ist es gerade das, worum es geht.

Es ist allein der Tod, der gewinnt, wenn man die Sterbenden scheut. Nicht unbedingt ein Wissen, das unsere Kultur uns lehrt, oder?

William Milne war ein Kerl wie ein Baum, doch der Krebs hat ihn gefällt. Er war ein feiner Mensch und ein freier und unabhängiger Geist. Farmer, Kinoliebhaber und Junggeselle. Seine Briefe knisterten vor trockenem, britischen Humor, obwohl er Schotte war. Er trank seinen Whisky neat und Lasagne war in seiner Gegenwart ein leichtes Mittagessen. Here's to you, Bill. Sláinte.

8. Juni 2011

Schreibt beschissene erste Fassungen, aber schreibt sie

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Ein einziges Mal, wirklich nur ein einziges Mal stand in meiner langen Studienzeit KREATIVES SCHREIBEN im Vorlesungsverzeichnis. Es sprang mir ins Auge und ich guckte gleich wieder weg. Mit dem Schreiben war das so eine Sache. Ich war eine leidenschaftliche Briefschreiberin seit ich dreizehn, vierzehn war. Ich dachte mir gern Geschichten aus. Ich hatte schon kurze Theaterstücke geschrieben und die üblichen Schreibleistungen im Studium mit Erfolg erbracht.

Trotzdem klang mir KREATIVES SCHREIBEN viel zu offiziell nach „hier werden künftige Schriftsteller ausgebildet“. Ich fühlte mich nicht gemeint, wenn auch heftig angesprochen. In anderen Worten: Ich hatte Angst vor dem, was ich wollte.

Anyway, ich hatte es nicht auf meinem fein ausgetüftelten Wochenplan für dieses Semester (freitags nix und montags nix vor elf, versteht sich), aber ich hatte genau an diesem Tag genau zur richtigen Zeit zwei Stunden frei. Das war „eigentlich“ als Bibliothekszeit vorgesehen, aber an diesem zweiten Donnerstag im Semester saß ich dann doch mit geschätzten 120 anderen in einem total überfüllten, halbunterirdischen Seminarraum von betonener Schönheit.

Ich kann mich nicht mehr an den Namen des Dozenten erinnern, ich kann mich nicht mal mehr erinnern, was er einleitend zu sagen hatte, woran ich mich erinnern kann ist das Gefühl, das es hinterließ: Ich bin nicht gemeint und falsch hier.

Ich kann mich auch nicht mehr wirklich erinnern, wie genau die erste Schreibaufgabe lautete, irgendwas mit eine kurze Begegnung, die auf dem Campus stattfindet. Woran ich mich immer noch genau erinnere ist das Gefühl völliger Blockade. Ich glaube, wir hatten eine Viertelstunde. Das war ganz sicher eine der längsten Viertelstunden meines Lebens und eine in der ich mich am schlechtesten gefühlt habe. Ende vom Lied: Ich hatte drei Sätze, die unglaublich hölzern klangen. Denn mein Kopf war die ganze Zeit damit beschäftigt gewesen, jedes meiner Worte, jede meiner Ideen zu bewerten. Und diesen unbarmherzigen Zensor überlebte kaum etwas.

Was meinen schriftstellerischen Ambitionen an diesem Nachmittag für lange Zeit den Rest gab: das anschließende Vorlesen. Mit gegenüber saß eines dieser hippen Mädels, die immer von nem Schwarm cooler Typen umlagert war – was sie vorlas, war genauso cool wie sie und wie ich nie sein werde. Dazu noch vollkommen überzeugend, nachvollziehbar, das Kolorit unserer Uni war perfekt getroffen, der Humor war bezaubernd und sie las das in einer Schnodderigkeit, als ob es sie überhaupt keine Anstrengung gekostet hätte.

Wie gesagt: Ich war nicht gemeint. Und am nächsten Donnerstag vergrub ich mich in der Fachbereichsbibliothek. Fazit: ich konnte ganz gut wissenschaftliche Hausarbeiten schreiben, aber eine „Schriftstellerin“ würde aus mir nicht werden. Wer würde mein Zeugs schon lesen wollen?

Von meinen Leuten saß keiner in diesem Seminar, weshalb ich auch nichts über die weiteren Inhalte hörte. Was mir in der ersten Stunde so sehr das Wasser abgegraben hatte, war das Gefühl jetzt und auf der Stelle ein perfektes Ergebnis herstellen zu müssen. Super Voraussetzung um beim Schreiben schon vor dem ersten Wort zu scheitern. Kein Wort seitens der Seminarleitung, das Schreiben ein Prozess ist, das beschissene erste Fassungen nicht schon per se ein Grund sind, nie wieder einen Stift in die Hand zu nehmen und das der richtige Zeitpunkt für eine „Bewertung“ der eigenen Texte ganz sicher nicht der Moment vor ihrem Entstehen ist.

Alle die, denen es irgendwann mal ähnlich wie mir ergangen ist, die ihr eigener bester Feind beim Schreiben sind und die es doch nicht lassen wollen, endlich ihr in Gedanken langgehegtes Schreibprojekt in Angriff zu nehmen – auf die freue ich mich in meiner SCHREIBWERKSTATT, die am 15.06., 18 Uhr 30 im Creativum in Hagen anfängt.

27. Mai 2011

Step into your fire

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Das eine sind die inhaltlichen Unklarheiten, die das Schreiben schwermachen. Das andere ist eine gefährliche Gemengelage aus Wertungen aller Art. Gibt’s dagegen ein Allheilmittel? Nein! Hilft eine andere Haltung? Ja! Gilt das nur fürs Schreiben? Ganz sicher nicht!

 

Step into the fire. Write up a storm. Assume the power that is yours.

 

Oder in anderen Worten:

  • Hör nicht auf den Zensor.

  • Sag Deine Wahrheit, so wie sie kommt.

  • Akzeptier die Angst und mach trotzdem weiter.

  • Folge Deiner Stimme.

  • Beginne, was Dich ruft und halte es bis zum Ende.

  • Mach Deine Sachen fertig.

  • Begreif Dich als machtvoll, nicht als klein. Schreib aus der Sicherheit Deines eigenen Wertes.

  • Schätze Dich.

  • Schreib, schreib, schreib und immer tiefer.

  • Gibt keinen Schmu, keine Lauheiten raus. Kein bla mehr.

  • Ehre, was ist.

  • Sei da. Und zwar ganz.

  • Keine Entschuldigungen mehr.

  • Dein Leben, Deinen Wahl.

  • Hab Nachsicht, aber sei hartnäckig.

 

 

 

Und wer an den inhaltlichen Unklarheiten bis jetzt laboriert und seine Texte nicht fertig kriegt, der ist herzlich eingeladen zur nächsten SPIEL_RÄUME Schreibwerkstatt. 

 

 

Machen Sie nicht sich,

sondern Ihre Texte

FERTIG

 

Auf Ihrer Festplatte schlummert der Beginn einer großen Erzählung?


Sie möchten aus Ihren Reisenotizen gern gute Texte machen?


Die Abschlußarbeit, der Projektbericht droht und Sie brauchen endlich eine Struktur für Ihre Inhalte?



Dann nichts wie los! Wir sichten Ihr Material, arbeiten Ihre Ideen zu einer ersten Textstruktur aus und erstellen einen übersichtlichen Schreibplan.

 

Die Schreibwerkstatt räumt Hindernisse weg, schafft Fokus, und hilft dabei, ihr Schreibvorhaben durchzuziehen. Sie unterstützt und inspiriert, vor allem aber bringt sie Sie zum


SCHREIBEN.




Termine: 15.06, 22.06., 29.06., 06.07., 13.07. und 07.09.2011, jeweils 18.30 – 20 Uhr

Ort: Creativum, Gaußstraße 2 , 58119 Hohenlimburg


Kosten: 48,85 Euro


Anmeldung: per email an alexandra.gerull@ruhr-uni-bochum.de oder telefonisch unter 0 23 34 / 44 36 37

 

18. Mai 2011

Zeit

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Haben. Haben! HABEN!


Und hat man sie, entschlüpft sie ungeschätzt.


Als Kind waren sechs Wochen Sommerferien lang wie ein Leben. Und was sind mir sechs Wochen jetzt? Eine Theaterproduktion vielleicht, vielleicht auch nur ein Nieser.


Es ist nie mehr genug von dieser verflixten Zeit da. Ein Wochenende lang nix tun, einfach nur Zeit verstreichen lassen, am Fluß sitzen und dem Wasser dabei zusehen, wie's flußabwärts strömt? Ich weiß nicht, wann das zum letzten Mal passiert ist.

Die Erfahrung von Zeitreichtum. Wie köstlich. Die hab ich aber nur noch in den schöpferischen Momenten, in denen ich sie ganz vergesse, die Zeit. Umso wunderbarer. Kann man überhaupt genug Zeit haben?

 

Und warum schätzt man sie immer nur wert, wenn man sie nicht hat?

Was ist sie uns denn wert? 15 Euro die Stunde? 20? 180? 360? Ehrlich jetzt: wie viel ist uns unser(e) Leben(szeit) wert?


Und wenn wir sie hergeben: Wofür?


Mag sein, Zeit wird erst zu einer existentiellen Größe., wenn sich die große Vier nähert und man sich zähneknirschend eingestehen muß, daß die Hälfte mehr oder weniger rum ist.

Mag sein, sie wir nur knapp, wenn zu viele Verpflichtungen, Aufgaben und Wünsche am Zeitbuffet fressen.


An mir jedenfalls zehrt dieses Gefühl, jede Minute nutzen zu müssen, um alles auf die Reihe zu kriegen, nachhaltig.

Wie viel Mensch bleibt übrig, wenn man ihm die Selbstverfügung über die Zeit nimmt?


Andererseits: Vermutlich braucht es die massiven Zeitkrisen, um die kleinen und großen Zeitfresser auszusortieren, damit Zeitraum bleibt für die wirklich wichtigen Dinge.

Also: welche sind das? Und wie viel Zeit bekommen sie? Und was kann man getrost hinten runterfallen lassen?


UND: Wie viel Zeitdruck entsteht letztlich durch unsere eigenen (und anderer Leuts) Erwartungen an uns selbst?

11. Mai 2011

Der Reichtum kleiner Dinge

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Von William Morris, einem der Begründer der Arts and Crafts Bewegung des vorvorigen Jahrhunderts, stammt die Forderung: „Have nothing in you house that you do not know to be useful, or believe to be beautiful.“ In anderen Worten: 'Laß in deiner Umgebung nichts anderes zu, als das, was du brauchst und was dich erfreut.'

Wenn ich vom Schreiben auf- und mich nur auf meinem Schreibtisch umsehe, fallen mir gleich mehrere Dinge auf, die weder use- noch beautiful sind. Statt dessen fallen sie in die Kategorien 'gedankenloser Konsum' und 'sozialer Zwang' (sprich: geschenkt bekommen).

Welche Dinge dulden oder begehren wir in unserer Nähe? Und warum? Wir geben den Dingen ja nicht nur Wohn-, sondern auch Gedankenraum. Welche Bedeutung messen wir ihnen zu? Wie viel Zeit und Aufmerksamkeit widmen wir ihnen?

In was für einer Welt würden wir leben, wenn wir mehr Zeit damit verbringen würden einen Kienzapfen zu betrachten, als endlos blogs zu lesen? In was für einer Welt würden wir leben, wenn das Betrachten eines Gesichts die gleiche Wichtigkeit hätte wie die Bereitschaft, Überstunden zu machen?

Gestern auf dem Spielplatz lag wirklich neben jedem anwesenden Elternteil außer mir ein Handy. Nicht, daß ich das Ding nicht für eine segensreiche Erfindung hielte. Ich hab auch schon ohne an der falschen Straßenkreuzung des Nachts gestanden und sehnsüchtig bis ängstlich auf denjenigen gewartet, der mich abholen wollte. Aber von der Zeit, die man mit seinem Kind auf dem Spielplatz verbringt, mindestens die Hälfte auf Telekommunikation der nicht lebens- oder jobnotwendigen Art zu verwenden, halte ich für Verschwendung von Lebenszeit. Da haben wir nun dieses eigentlich extrem praktische Ding und anstatt es zu unserem Vorteil zu nutzen, lassen wir uns davon vereinnahmen und verpassen dabei das Leben, das grad um uns rum passiert.

Die Dinge, Handlungen, Personen, denen wir Aufmerksamkeit schenken, die machen wir wichtig. Mit welchen folgen für unser Wohlbefinden, unser Handeln und unsere Weltsicht?

Es sind ganz oft die flüchtigen, beinahe gestohlenen Momente, in denen ich in kleine, bescheidenen Dinge versunken bin (die Clematis im Garten nebenan, deren Blüten zu schweben scheinen, der Brotteig zwischen meinen Fingern, die wandernde Füllerfeder auf dem Papier), in denen mir der Seelen-Reich-Tum dieser Dinge bewußt wird. Und viel zu schnell vergesse ich ihn dann wieder.

Es ist bei meiner akuten Zeitnot vermutlich Unsinn, meinem Sohne ein Hawaiihemd zum Geburtstag zu nähen oder Vögel für ein Geschenk zur Geburt zu besticken. Ich könnte bei Reyn Spooner ein 'orginal' Aloha-Shirt bestellen und im Spielzeugladen gibt’s jede Menge schöner Mobilés. Ich entscheide mich zur Zeit trotzdem für die Langsamkeit des hand mades und finde in der Gemächlichkeit des Prozesses einen Reichtum an Zeit, Gedanken, Zuneigung.

Die bescheidenen, kleinen Dinge wert zu schätzen, wird uns nicht gerade beigebracht. Und wenn es Erwähnung findet, dann meist in einem christlich-religiösen Kontext, wo es schnell einen moralinsauren, freudlosen Geschmack bekommt.

Ich stelle allerdings fest, daß der Kienzapfen, die Kornblume neben meiner Küchentür, das Ritual des Teeaufgießens mir im Moment mehr zu sagen haben als mein IPod. Ich stelle fest, daß ich natürlich ein Kleid von Lanvin oder Lacroix geschenkt nähme, daß ich aber jetzt gerade eine unglaubliche Genugtuung darin verspüre, vom Schnitt über Stoff und Garn bis zum Knopf alles selbst auszusuchen und mein Kleid selbst zu nähen.

Und ich stelle fest, daß es mir überhaupt nicht gut tut, auf dem Parkplatz auf den neuen Volvo neben mir zu schielen und mich zu fragen, ob ich mir den jemals werde leisten können. Und daß sich der thrill der Glamour schnell verbraucht hat und es eine Ausrede ist, die Zeitschrift ja wunderbar als Collagenmaterial benutzen zu können.

Dagegen wird mir beinahe jedes Mal, wenn ich mich in eines dieser kleinen Dinge versenke, etwas Neues klar. Was ich nicht mal vom teuersten Paar Schuhe, das ich besitze, sagen kann.

7. Mai 2011

Von schlechter Laune und dem besonderen Augenmerk für Defizite

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Vor einer Weile fand ich auf Andrea Shers blog dies Zitat: „Right where you are is perfect.“ Es steht seit dem in meinem Journal. Was mich daran ansprach? Ich hatte gerade das vollkommen gegenteilige Gefühl!

Ich war mir gar nicht sicher, ob ich das mit dem Mamajob richtig mache, war unzufrieden mit der wenigen zeit, die mir neben Kind (und dem bißchen Haushalt) für meine Kunst, meine Kreativität bleibt.

Da, wo ich gerade bin, hab ich oft eher den Eindruck von Chaos, Überwältigung, Enge und Mangel. Von Perfektion kann gar keine Rede sein. Resultat: schlechte Laune, mürrische Aussichten, nervenaufreibende Tage.


Nun bin ich überhaupt kein Anhänger der „think positive“ Bewegung. Das ist mir meist zu gewollt, zu rosa, zu optimistisch, zu unkritisch. Vielleicht gefalle ich mir aber auch nur aus Sicherheitsgründen in der pessimistischen Zurückhaltung der Zweiflerin.

Allerdings führt die übermäßige Fokussierung meiner Aufmerksamkeit auf vermeindliche und tatsächliche Defizite aller Art (meiner, anderer, des Materials, der Welt im Allgemeinen) zu beschwerlichen und extrem unproduktiven Tagen. Es bremst mich aus. Und fröhlich macht es auch nicht gerade.


Wie aber sollte eine Haltung aussehen, die weder zweckpessimistisch grau noch thinkpositivistisch rosa ist?


An einem besonders verfahrenen Tag diese Woche, als ich mich gegen Mittag dabei ertappte zum wiederholten Male Söhnchen angeraunzt zu haben wegen Sachen, die er sicher nicht in der expliziten Absicht gemacht hatte mich zu ärgern, oder mir Steine in den Weg zur abgearbeiteten to-do-list und dem Gefühl, was geschafft zu haben, zu legen, an diesem Tag also, verzog ich mich während seines Mittagsschlafs mit Buch, Füller und Tee in die Sonne. Und obwohl ich neben der blauleuchtenden Kornblume saß, über deren Wiederauftauchen ich mich jeden Frühling freue, obwohl die Sonne schien und der Tee gut war, kratzte meine Füllerfeder nur 'Nichtse' aufs Papier: „Das ist nicht! Und das ist auch nicht!! Und dies ist immer noch nicht fertig!!! Und davon hab ich gar nichts!!!!“ Undsoweiterundsoweiterudsoweiter.

Resultat: Anstatt mich wieder ins Gleichgewicht zu bringen, trieb mich meine Aufmerksamkeitsfokussierung auf die Defizite nur immer weiter in meine graue Stimmung und nahm mir das letzte bißchen Schwung.

Als ich dann doch mal von meinem Blatt der Leiden aufsah, sah ich eine sonnendurchflutete Unkrautwiese und unglaublich leuchtenden Grün- und Gelbtönen. Ich hatte einen hellen Moment. Ich hatte seit Tagen nur und ausschließlich auf die Minusseite geschaut.

Nachdem ich mich für den Rest meiner mittagsschlafgebundenen Schreibzeit – die an diesem Tag fast zwei Stunden dauerte – ausschließlich mit der Habenseite beschäftigt hatte, ging's mit wieder gut. Und vorerst bin ich das Gefühl der Überwältigung los.

„Right where you are is perfect“, heißt nicht: da ist alles aufgeräumt, erledigt, geschafft, erreicht, vollbracht. Es heißt: Nimm den Moment, in dem Du den Blättern im Garten dabei zusiehst, wie Sonne sie leuchten läßt, als wichtiges Plus wahr. Vergißt nicht, daß es Deine eigene Entscheidung war, ein Kind zu bekommen und auch nicht, daß Du am Ende jedes Tages beim Einschlafen in dieses kleine Gesicht siehst und Dich dies Wunder unsagbar anrührt. Konzentrier Dich auf den ersten Schluck Tee, wenn Du Dich zum Schreiben hinsetzt. Und für die Kreative vor allem:
GENIESS DEN PROZESS. Lass Dir durch den Druck, ein Ergebnis produzieren zu wollen / müssen, nicht die vielen kleinen lustvollen, glücklich machenden Momente des Gelingesn entlang der Strecke versauen.

Zähle, was gut ist und es bleibt die Kraft, den „Defiziten“ die Hölle heiß zu machen.

8. April 2011

Keine Angst! Keine Angst?

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Ich weiß nicht, ob Sohnemann Angst hat. Was ich sehe ist, daß er Dinge wieder und wieder ausprobiert und sich von anfänglichem Nichtkönnen und zwischenzeitlich sich ereignenden „Unfällen“ (Fehlern) nicht abbringen läßt, wie wohl er manchmal frustriert vor sich hin brummelt.

Ich dagegen: ein Abend, an dem es im Nähkurs nicht so läuft, wie ich's gerne hätte – will sagen: ein Abend voller Fehler, voll des Gefühls nicht kompetent genug zu sein und soooo viel schlechter als die anderen Teilnehmer (beim dritten selbstangefertigten Kleidungsstück) und die Nähsachen stehen ne Woche lang unberührt in der Ecke. Obwohl ich heiß darauf bin, das pinkfarbene Kleid endlich anzuziehen.

Und nicht nur das. Es kommt noch besser. Oder schlechter. Oder komischer. Je nach Blickwinkel.

In der Nacht vorm Nähkurs träume ich, daß ich für mein wunderbares, leider ganz und gar nicht fertig gewordenes Kleid eine Fünf bekomme. Dabei ist erstens m´das schlichte pinke 60s Kleid zu einem japanisch inspirierten Couture-Kleid mutiert und zweitens hat sich die eigentlich ganz nette Schneiderin, die den Kurs leitet, in eine Horrorversion meiner Textillehrerin aus der achten Klasse verwandelt ( ja, genau die Frau Schäfer, die mir mit diesem dämlichen Turnbeutel für die nächsten 24 Jahre den Schneid abgekauft hat, noch mal eine Nähmaschine in Betrieb zu nehmen).

Man könnte aus so einem Traum mit einem amüsierten Grinsen erwachen. Und in der Tat  gab es schallendes Gelächter, als ich meinen Traum abends im Kurs erzähle. Tatsächlich aber wäre ich beinahe nicht hingegangen, gestern Abend. Anstatt pünktlich loszugehen, hab ich ne halbe Ewigkeit nach nem Paar Strümpfe für meine nackten Beine gesucht, dann festgestellt, daß jemand mit so'ner fiesen Erkältung eigentlich auf die Couch und nicht unter Leute gehört und und und. Ich bin nicht mehr 14, ich bin auch keine 34 mehr und doch hätte ich mich beinahe diesem kleinen Despoten Angst gebeugt. Angst, zu scheitern an etwas, was ich sehr sehr gerne können möchte. Angst davor, meinen eigenen galoppierenden Ansprüchen nie gerecht werden zu können. Angst, mich vor den schon länger nähenden Ladies zu blamieren. Und das, obwohl auch die dauernd irgendwas wieder auftrennen.

Ich bin dann doch noch hingegangen und hab was getan und es war ein schöner Abend. Und als ich zwei Stunden später mein Nähköfferchen und meine Maschine nach Hause schlenkerte, wurde mir (wahrlich nicht zum ersten Mal) klar:

Fehler - es ist anscheinend eine counter-intuitive Weisheit – sind keine Zeichen dafür, daß man generell und sowieso ungeeignet ist für die Aufgabe, die man gerade zu bewältigen sucht. Fehler sind Rückmeldungen … des Universums noch mal über die Verfahrensweise nachzudenken.

Anstatt nämlich an dem Abend, an dem im Nähkurs nichts laufen wollte. Auf meine kleine schüchterne Stimme zu hören, die da sagte: „Nimm mal das Kleid besser noch mal auseinander und mach einen Schritt nach dem anderen.“, hab ich auf die Kursleiterin gehört, die sagte: „ Ach was, das kannst Du so nähen.“

Klar kann sie das. Klar können die anderen das. Klar, ist das eine Zeitersparnis, wenn man mit dem ganzen Wust Stoff vor sich zurecht kommt.

Mir war es an diesem Abend zu viel und dementsprechend frustriert war ich. Der Kessel negativem self talk, den ich dann auf dem Nachhauseweg noch über mich geschüttet hab, tat sein Übriges.

Es stellt sich mir – gerade angesichts des emsig weiterlernenden Söhnchens – die Frage, wie stark wir uns eigentlich selbst ausbremsen können durch diese verflixte Angst als Anfänger, inkompetent, doof oder sonst was darzustehen. Denn wirklich jetzt: Um beim Nähen in Lebensgefahr zu geraten, muß man sich schon sehr sehr ungeschickt anstellen. Beim Laufen lernen tut's hingegen manchmal richtig weh.

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